1. FASTENSONNTAG

22.02.2015

Lesungen:  Gen 9,8-15 / Mk 1,12-15

Gedanken zu den Lesungen:

40 Tage Fastenzeit. „40“ ist in der Bibel eine heilige Zahl: Mose bleibt 40 Tage auf dem Berg Sinai bei Gott. 40 Jahre zieht das Volk nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste und macht seine Erfahrungen mit seinem Gott. 40 Tage bleibt auch Jesus in der Wüste und sucht dort die Gegenwart Gottes. Die Zahl 40 stellt eine heilsame Zeit dar, eine Zeit der Besinnung: Von wem lasse ich mein Leben bestimmen? Benötige ich eine Kurskorrektur? Führt meine Lebensweise auf ein Ziel hin oder verplempere ich meine Energie und Zeit mit Dingen, für die es sich nicht lohnt zu leben? 40 Tage, in denen wir als Christen eine vertiefte Verbundenheit mit Gott suchen und anstreben. Eine wichtige Zeit. Hier geht es darum, unsere Entscheidung für Gott und für Jesus wieder lebendig werden zu lassen, unseren Alltag verstärkt vom Glauben her zu leben.

Nach seiner 40-tägigen Fastenzeit in der Wüste sagt Jesus: „Die Zeit ist erfüllt. Kehrt um, glaubt an diese frohe Botschaft!“ Kurz und prägnant fasst Jesus so sein ganzes Anliegen zusammen. Die Zeit ist da - es ist Zeit - jetzt beginnt etwas ganz Neues: Gott beginnt eine neue Geschichte mit den Menschen - und die Menschen mit Gott. Wird es uns gelingen - nach dieser 40-tägigen Fastenzeit - eine neue, persönliche Geschichte mit Gott zu beginnen, durch eine neue, vertiefte Beziehung zu ihm?

Die Bibel erzählt, wie Gott mehrmals mit den Menschen eine neue Beziehung eingeht. In der biblischen Sprache heißt das dann: Er schließt einen neuen Bund mit den Menschen. Das hat er auf dem Berg Sinai gemacht. Das hat er auch - wie wir in der ersten Lesung gehört haben - mit Noach und seiner Familie getan. In einer bildhaften, metaforischen Sprache wird erzählt: Gott setzt ein Zeichen an den Himmel, den Regenbogen, der Himmel und Erde verbindet - das farbenprächtige Hoffnungszeichen, mit dem sich Gott unverbrüchlich an die Menschen bindet. Jedes Mal wenn sich düstere Wolken über die Erde zusammenziehen, wenn es Bedrohungen und Katastrophen gibt, wenn Untergangsstimmung aufkommt, soll der Regenbogen in den Wolken erscheinen - als Zeichen der Hoffnung, als Erinnerung an die Zusage von Gott: Sein Volk soll nicht vernichtet werden.

Hat mit Jesus denn eine neue Geschichte angefangen, ist seither das Heil Gottes in dieser Welt am Werk? Das „offenkundige Unheil unserer Welt scheint die Worte Jesu über eine neue Zeit Lügen zu strafen“. Ist Jesus nicht am Ende selber gescheitert? Hat er am Ende nicht selbst gerufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus wird elend am Kreuz hingerichtet. Ist damit nicht seine ganze Botschaft widerlegt? Hatte Gott ihn im Stich gelassen? War sein Kreuz vielleicht sogar die Kritik an seiner wunderbaren Predigt von Gottes Güte?

Aber da, wo menschlich gesehen alles in der Katastrophe des Todes geendet hat, hat Gott seine den Tod überwindende schöpferische Macht erwiesen. Die Botschaft Jesu und sein Leben waren nicht vergeblich. Sie haben uns Hoffnung gegeben und einen guten Wegweiser für unser Leben. Nur die Grunddevise von Jesus ist dauerhaft in diesem Leben: Gott und den Mitmenschen zu lieben, und sich darin nicht beirren zu lassen.

Der Glaube an den Gott, von dem Jesus erzählt, ist allerdings auch ein Appell an uns, leidenschaftlich zu protestieren gegen all das Unheil in unserer Welt, das ja im Moment geradezu unheimliche Ausmaße erreicht. Gott wird auch den unzähligen Opfern von Terror und Gewalt, den Christen, die im Gottesdienst hingemetzelt wurden und den vielen, die der Gewalt der Terroristen zum Opfer fallen, – Gott wird ihnen allen Leben schenken. Das ist unsere Hoffnung, ohne die wir angesichts der Zustände im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas und anderswo in unserer Welt verzweifeln müssten.

Sowohl auf Weltebene als auch in unserer eigenen kleinen Welt ist Gott unser einziger Halt. Deswegen wollen wir in dieser Fastenzeit unsere Beziehung zu ihm festigen, unsere Geschichte mit ihm bewusster leben.

Dass das dringend notwendig ist, wird uns an diesem Gemeindesonntag noch verstärkt in Erinnerung gerufen. Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft, wo der Glaube an Gott auf den Hintergrund gedrängt wird. Gott ist für viele, ja vielleicht schon für eine Mehrheit kein Thema mehr. Deswegen werden wir herausgefordert unseren Glauben an Gott zu stärken, uns bewusst und persönlich für ihn zu entscheiden. Das wird dann auch das Thema sein, das wir anschließend an diesem Gottesdienst am Gemeindesonntag besprechen werden und wozu ich sie dringend einlade.

Zum Archiv